Publikationen als Herausgeber

Im Herzen der Finsternis. Victor Klemperer als Chronist der NS-Zeit (Hg.): Berlin 1997

Victor Klemperers Tagebücher von 1933 bis 1945 haben die Sicht auf den Nationalsozialismus verändert: Erstmals wird der gesamte Zeitraum des Schreckens mit dem Blick der Opfer vermessen. Ein unvergleichliches und umstürzendes Material über den Alltag der Tyrannei mit der Genauigkeit eines Alptraums. Der vorliegende Band versucht, die Einzigartigkeit dieses Blickes zu zeigen und den Wert dessen abzuschätzen, was er fixiert hat.

In einem breiten thematischen Spektrum stellen die elf Beiträge Klemperers Beobachtungen in den Kontext aktueller Deutung der NS-Zeit. Das Ergebnis ist eine Präzisierung unseres Wissens über Alltag und Mentalitäten im Dritten Reich. Es zeigt sich, daß über den Nationalsozialismus nicht geredet werden kann, ohne Klemperers Chronik heranzuziehen.

Hamburg Institute for Social Research (ed.): Omer Bartov, Bernd Boll, Michael Geyer, Hannes Heer, Walter Manoschek, Jan Philipp Reemtsma, Hans Safrian (texts)

The German Army and Genocide. Crimes Against War Prisoners, Jews, and Other Civilians, 1939-1944, New York 1999

An astonishing visual expos of the German Army’s crimes in World War II. For the better part of fifty years, the powerful German army of World War II has been seen    as an organization of consummate skill and honor, one that had little in common with the criminal policies and ideology of the Nazi regime. Fascinating and unforgettable, The German Army and Genocide explodes that myth. Through newly discovered documents and hundreds of astonishing photographs culled from archives all across Europe, The German Army and Genocide reveals that the nearly twenty million soldiers who passed through the feared Wehrmacht (the German army) were subjected to a massive ideological indoctrination, and that many were involved in widespread crimes against civilians and prisoners of war, acting both on orders by their superiors and–in many instances–on their own initiative. Based on a three-year German exhibit that sparked riots and heated controversy throughout the country, The German Army and Genocide features harrowing photographs taken by the soldiers themselves (often gleeful) of massacres, hangings, and torture; official army documents directing military units to murder Jewish communities; private letters written home, such as one from a young soldier who boasts that his unit had killed 1,000 Jews, adding, “and that was not enough”; and military directives that definitively prove close collaboration between the SS and the regular army throughout the war.

Hannes Heer und Klaus Naumann (Hg.):

Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944, Hamburg 1997

Nach der Niederlage des Nationalsozialismus haben ehemalige Generäle und Stabsoffiziere eine Legende verbreitet – die Legende von der „sauberen Wehrmacht“. Die Truppe, so hieß es, habe Distanz zu Hitler und dem NS-Regime gehalten, habe mit Anstand und Würde ihre soldatische Pflicht erfüllt und sei über die Greueltaten von Himmlers Einsatzgruppen allenfalls nachträglich informiert worden. Mit dieser Fiktion gelang es Tätern und Mitwissern großer Verbrechen, sich schuldlos zu sprechen. Die deutsche Militärgeschichtsschreibung hat die Unhaltbarkeit dieser Legende zwar nachgewiesen, weigert sich aber einzugestehen, daß die Wehrmacht an allen Verbrechen des NS-Systems aktiv und als Gesamtorganisation beteiligt war. Der vorliegende Band ist ein – längst überfalliger – Versuch, diesen Beweis zu führen.

Er dokumentiert die Komplizenschaft der Militärs an drei Großverbrechen: an der Vernichtung der Juden, am Massenmord der Kriegsgefangenen und am Terror der Zivilbevölkerung. Diese Verbrechen, die außerhalb des Völkerrechts und jenseits aller Regeln der Kriegführung verübt wurden, bestimmten vor allem den Charakter des Krieges gegen die Sowjetunion. Aber sie fanden in derselben Intensität auch an anderen Fronten statt: auf dem Balkan oder in Italien. Denn dieser Krieg, das ist die These des Bandes, folgte einer eigenen Logik. Die seit Clausewitz immer wieder gestellte Frage nach dem Primat der Politik in der Kriegführung greift nicht mehr – im nationalsozialistischen Vernichtungskrieg sind politische Ziele und Kriegsziele ununterscheidbar geworden.

Nach 1945 kehrten Tausende Täter und Hunderttausende Mitwisser zurück. Sie nahmen ihre Plätze in der deutschen Nachkriegsgesellschaft ein und verschwiegen wortreich, was geschehen war. Wie gering in den folgenden Jahren das Interesse an Aufklärung und Strafverfolgung war, welche verhüllenden Nebelschwaden in Illustrierten und Literatur erzeugt wurden und wie bereitwillig sich die militärgeschichtliche Forschung der fünfziger und sechziger Jahre der bequemen Konvention anschloß, thematisieren weitere Aufsätze dieses Bandes.

Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.):

Katalog zur Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944″, Hamburg 1996.
Leitung: Hannes Heer
Redaktion: Hannes Heer und Birgit Otte
Gestaltung: Wilfried Gandras

Im März 1995 eröffnete das Hamburger Institut für Sozialforschung die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944″. Der vorliegende Katalog dokumentiert das Verhalten der Truppe in Serbien und der besetzten Sowjetunion.

Das Bild, das sich aus den vielfältigen Materialien ergibt, ist erschreckend und wurde niemals vorher so gezeigt: Die Wehrmacht spielte eine aktive Rolle beim Holocaust, bei der Plünderung der besetzten Gebiete, beim Massenmord an der Zivilbevölkerung und bei der Vernichtung der sowjetischen Kriegsgefangenen. Der Krieg war kein „normaler” Krieg, sondern wurde als Rassekrieg geplant und geführt. Die Wehrmacht war als Teil der nationalsozialistischen Gesellschaft umfassender und bereitwilliger als bisher angenommen an diesen Verbrechen beteiligt.

Inhalt

Hannes Heer: Einleitung, S. 6 f.

Hannes Heer: Bilderwelt der Nachkriegsjahre, S. 8-19.

Walter Manoschek: Serbien. Partisanenkrieg 1941, S. 20-61

Bernd Boll, Hans Safrian: Die 6. Armee. Unterwegs nach Stalingrad. 1941 bis 1942, S. 62-101

Hannes Heer: Weißrussland. Drei Jahre Besatzung 1941 bis 1944, S. 102-159

Hannes Heer: Verwischen der Spuren. Vernichtung der Erinnerung, S. 160-176

Bernd Boll, Hannes Heer, Walter Manoschek, Christian Reuther, Hans Safrian:
Das Eiserne Kreuz, S. 177-218

Hannes Heer and Klaus Naumann (eds.):

War of extermination. The German Military in Word War II, 1941-1944,  New York, Oxford 2000

Among the many myths about the relationship of Nazism to the mass of the German population, few proved more powerful in postwar West Germany than the notion that the Wehrmacht had not been involved in the crimes of the Third Reich. Former generals were particularly effective in spreading, through memoirs and speeches, the legend that millions of German soldiers had fought an honest and “clean” war and that mass murder, especially in the East, was entirely the work of Himmler’s SS. This volume contains the most important contributions by distinguished historians who have thoroughly demolished this Wehrmacht myth. The picture that emerges from this collection is a depressing one and raises many questions about why “ordinary men” got involved as perpetrators and bystanders in an unprecedented program of extermination of “racially inferior” men, women, and children in Eastern Europe and the Soviet Union during the Second World War. Those who have seen these terrible photos of mass executions and other atrocities, currently on show in an exhibition in Germany and soon to be in the United States, will find this volume most enlightening.

Wie Geschichte gemacht wird

Hannes Heer, Walter Manoschek, Alexander Pollak, Ruth Wodak (Hg.):

Wie Geschichte gemacht wird. Zur Konstruktion von Erinnerungen an Wehrmacht und Zweiten Weltkrieg, Wien 2003

„Wenn auch die Erinnerung an den Holocaust mittlerweile immer weniger gegen Leugnung, Verdrängen und Beschweigen verteidigt werden muss, so wird sie doch zunehmend gegen Trivialisierung, Analogisierung und eine vereinfachende Instrumentalisierung in staatstragenden Gedenkritualen in Schutz zu nehmen sein. [...] Ohnehin spielen die historischen Details in den öffentlichen Gedenkritualen höchstens noch am Rande eine Rolle, um einen wohligen Schrecken zu erzeugen, notwendig zur kathartischen Reinigung. Schließlich zielen diese auch nicht auf Erkenntnis und Aufklärung, sondern vielmehr auf Erlösung und Erbauung ab. Diese Entwicklung werden auch kommende Forschungsarbeiten zu berücksichtigen haben. [...]
Der Sammelband von Ruth Wodak, Hannes Heer, Walter Manoschek und Alexander Pollak bietet nicht nur einen exzellenten Überblick über einen wichtigen Teil der Geschichte und Nachgeschichte des Holocaust, sondern durch den besonderen Zuschnitt und Aufbau auch ein Vorbild und zahlreiche Anregungen für vergleichbare Projekte und Studien. Er wird in Zukunft einen wichtigen Referenzpunkt darstellen für deutsch- und englischsprachige Forschungen.”
- Forum: Qualitative Social Research

„Relativiert die neukonzipierte ,Wehrmachtsausstellung’ das öffentliche Bild der Täterschaft von Wehrmachtsführung und einfachen Soldaten beim Holocaust? Auf diese Behauptung läuft eine Untersuchung von Autoren hinaus, die für die erste ,Wehrmachtsausstellung’ verantwortlich waren. Der ehemalige Leiter dieser Ausstellung, Hannes Heer, und ein ehemaliger Mitarbeiter, Walter Manoschek, haben gemeinsam mit Sprachwissenschaftlern und Historikern versucht, neben der historischen Recherche über den Vernichtungskrieg der Wehrmacht das unmittelbare diskursive Geschehen im Kontext der beiden Ausstellungen zu analysieren und zu bewerten. Insofern ist die Untersuchung weit mehr und anderes als eine verspätete zornige Reaktion von Geschassten.”
- Süddeutsche Zeitung

Hannes Heer, Walter Manoschek, Alexander Pollak and Ruth Wodak (eds.):,

The discursive construction of history: Remembering the Wehrmacht’s war of annihilation, Basingstoke and New York 2008

„Spring 1998: Two liberal-leftist history teachers took their 16 to 18 year old high school students to the Wehrmacht touring exhibition on display in Salzburg, Austria. The following day, the students’ geography teacher (a then outspoken supporter of Haider’s Freedom Party) entered the classroom with a TV documentary on the KGB prison in Moscow’s Lubyanka complex in his hands. Dryly he said. ‘You should know that not only your grandfathers were bad, the others were so too.’
I chose this personal anecdote because it epitomizes so clearly the Austrian (and German) discourse surrounding the First Wehrmacht Exhibition of the years 1995 to 1999. Four years later, while the revised Second Wehrmacht Exhibition was still running (2001-2004), Heer, Manoschek, Pollak and Wodak published a volume entitled Wie Geschichte gemacht wird: Zur Konstruktion von Erinnerungen an Wehrmacht und Zweiten Weltkrieg [How history is made: On the construction of recollections of the Wehrmacht and Second World War]. In 2008, an excellent translation to English was published by Palgrave Macmillan, now under the more felicitous heading The Discursive Construction of History. Remembering the Wehrmacht’s War of Annihilation. Its editors are among the most prominent scholars of the Wehrmacht crimes and the respective post-war handing-down of the past, thus combining meticulous research of sources with a discourse-critical approach, as laid out in Heer and Wodaks’s theoretical introductory chapter. [...]

The studies discussed here obviously contest the entirely false but pertaining image of the untainted Wehrmacht. On the contrary, the active involvement of ordinary soldiers in the extermination of Jewish, Russian, and Serbian men, women, and children can no longer be ignored or blamed on superior commanding officers. The research projects surrounding the Wehrmacht exhibitions have also challenged both historians’ and the public’s view that the Holocaust took place in sealed-off concentration camps, far away from the reality of the Nazi-German troops. [...]
The Discursive Construction of History is an accomplished collection of article is written on a high level with findings of scholarly interest.”

- Jewish Political Studies Review

Hannes Heer (Hg.):

“Stets zu erschießen sind Frauen, die in der Roten Armee dienen”, Berlin 2010

Seit 1943 wurde für Hunderttausende deutscher Soldaten im Osten das zum Schicksal, was sie bisher selbstherrlich und gnadenlos ihren Gegnern zugedacht hatten – sie kamen in Gefangenschaft. Der Schock muß so furchtbar gewesen sein, daß der Befehl der sowjetischen Lagerkommandanten, eigene und miterlebte Greueltaten aufzuschreiben, widerstandslos befolgt wurde.
Diese handschriftlich verfaßten Geständnisse deutscher Kriegsgefangener über ihren Einsatz an der Ostfront, aus denen nun eine Auswahl veröffentlicht wird, vermitteln das Bild eines perversen Alltags der Gewalt, eine Mischung aus Mord und Sadismus, Raub und Menschenquälerei – Verbrechen, denen Juden, Kriegsgefangene, Zivilisten, Frauen, Kinder und Greise unterschiedslos ausgesetzt waren.
Die hier vorliegenden persönlichen Zeugnisse, heute im Staatsarchiv aufbewahrt, wurden von der “Außerordentlichen Kommission” zusammengetragen. Diese Organisation sammelte seit November 1942 in den befreiten Gebieten der Sowjetunion Akten, Zeugenaussagen und Fotos, um die Verbrechen und Zerstörungen der deutschen Besatzer zu belegen. Gestützt auf diese Dokumente, wurden in der Folge zwanzig große Kriegsverbrecherprozesse durchgeführt.

Hannes Heer, Sven Fritz, Heike Drummer und Jutta Zwilling:

Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der „Juden“ und „politisch Untragbaren“ aus den hessischen Theatern 1933 bis 1945. Schriften der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen 27, Berlin 2011.

Die Vertreibung von Tausenden „jüdischer“ und „politisch untragbarer“ Ensemblemitglieder 1933 aus den deutschen Theatern war das Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik, die als Kampf gegen den „Musikbolschewismus“ und die „entartete Musik“ lange vorher propagiert und von Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde. Am Beispiel der sechs hessischen Theater Darmstadt, Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Gießen und Kassel zeigen die Autoren erstmals die Vertreibungspraxis und die Folgen für die Opfer in einer Region.

Hannes Heer, Sven Fritz (Hg.):

“Weltanschauung en marche”: Die Bayreuther Festspiele und die “Juden” 1876-1945, Berlin 2013.

Der Band vereint aktuelle Forschungsergebnisse zum Wirken Richard Wagners wie seiner Erben und ermöglicht einen neuen Blick auf den Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Ausgehend von den frühen antisemitischen Konzepten der politischen Romantik erwiesen sich die negativen jüdischen Figuren in Wagners Musikdramen ebenso wie seine politischen Schriften als deren totalitäre Hinterlassenschaft. Sie erlaubten es seiner Witwe Cosima, das von ihr entwickelte Format der Festspiele mit der gezielten Ausgrenzung jüdischer Künstler zu kombinieren und so Bayreuth zum kulturellen Zentrum der völkisch-antisemitischen Eliten des Kaiserreichs zu machen. Wagners Schwiegersohn, der Rassentheoretiker und Weltkriegsagitator Houston Stewart Chamberlain, führte schließlich die Wagnerfamilie und ihr Bayreuther Unternehmen in die Tages-und Parteipolitik des Kaiserreichs und 1923 in die NSDAP.

  • Kommende Vorträge

    15. April 2015, 20 Uhr
    Universität Hamburg, Hauptgebäude, Hörsaal H
    Der Skandal als vorlauter Bote.
    Nazi-Erbschaften am Beispiel der Debatten um die Sonntagsrede und Lebensbeichte von Martin Walser und Günter Grass

    23. April 2015, 19.30 Uhr
    Hamburg, Evangelische Akademie der Nordkirche, Dorothee-Sölle-Haus, Königstraße 54
    Vom Versagen der deutschen Eliten.
    Dietrich Bonhoeffers Analyse von Nationalsozialismus und Bürgertum