Neuerscheinung im Juni 2020

Hannes Heer, Christian Streit

Vernichtungskrieg im Osten. Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik, Hamburg 2020
Mit einem Vorwort von Frank Heidenreich

Die deutsche Erinnerungskultur verläuft immer noch asymmetrisch: Sie konzentriert sich ganz auf den Holocaust und blendet dabei die Opfer des zweiten deutschen Völkermordes – den an den »slawischen Untermenschen«, wie Adolf Hitler sie nannte, fast vollständig aus. Diesem Genozid fielen ca. 30 Millionen Menschen in der Sowjetunion, sechs Millionen Polen, zwei Millionen Jugoslawen und 350.000 Tschechoslowaken zum Opfer. Davon waren ca. 5 Millionen Juden. Rechnet man die in allen diesen Ländern ermordeten 500.000 Sinti und Roma hinzu, kommt man auf ca. 40 Millionen schuldlos Getöteter.

Während der Großteil der Juden von einer halben Million Angehöriger von SS, Polizei und lokaler Kollaboration ermordet wurde, war für den Tod der übrigen Opfer die Wehrmacht mit ihren 19 Millionen Soldaten verantwortlich. 10 Millionen davon versahen ihren Dienst in der Sowjetunion. Die Opfer dieses Einsatzes: Mehr als 11 Millionen tote Rotarmisten, darunter 3,3 Millionen Kriegsgefangene und mindestens 17 Millionen Zivilisten. Davon wurden 2 bis 3 Millionen ermordet, weil sie Juden waren, die übrigen starben bei Vergeltungsaktionen oder im Rahmen des Partisanenkrieges, durch Zwangsarbeit in der Heimat oder in Deutschland und vor allem durch die erbarmungslose Hungerpolitik der Besatzer, wie die Beispiele Minsk, Charkow und besonders Leningrad mit mindestens einer Million Toten zeigen.

Bestellbar im VSA Verlag Hamburg

Aktuelle Veröffentlichungen

Hannes Heer, Christian Glanz, Oliver Rathkolb (Hg.):

Richard Wagner und Wien. Antisemitische Radikalisierung und das Entstehen des Wagnerismus, Wien 2017.

Gezeigt wird die Person Richard Wagners als eine die Wiener Gesellschaft – siehe die Wagner-Vereine – magnetisch anziehende oder – siehe die Presse-Fehden – aufs äußerste abstoßende Figur. Das Ereignis von Wagners politischer Radikalisierung in Wien wird dabei als ein Amalgam unterschiedlichster Erfahrungen und Motive erklärt: wiederholte und bitter erlebte Abweisung, ein auch der Durchsetzung seines Werks dienender Abgrenzungsfuror und zunehmend wahnhafte Untergangs- und Vernichtungsszenarien. Man begegnet den Gegenfiguren Eduard Hanslick, der in der Person Wagner auch konträre Konzepte von Musik und Ästhetik bekämpfte und Gustav Mahler, der Wagners Werke kongenial verstanden und aufgeführt und zugleich dessen bösen Spott in den “Judenkarikaturen” mit den eigenen Symphonien musikalisch beantwortet hat. Aufgerufen wird auch die Erinnerung an den von Georg von Schönerer begründeten österreichischen “Deutschnationalismus”, der auch viele sich als Deutsche fühlende Juden angezogen und dann ausgestoßen hat und der nach Wagners Tod zum festen Bestandteil des von Graz und Wien getragenen Wagnerismus wurde.

Die 320-seitige Publikation ist beim Hollitzer Verlag Wien bestellbar.

  • Kommende Vorträge

    Der Skandal als vorlauter Bote. Die großen deutschen Geschichtsdebatten.

    Zehnteilige Film- und Vortragsreihe an der URANIA, Berlin
    (An der Urania 17, 10787 Berlin):

    4.9.2020, 17.30 h: Die Wehrmachtsausstellung oder die Rückkehr der Täter (1995-1999)

    12.10.2020, Der Brandstifter. Martin Walsers Rede in der Frankfurter Paulskirche (1998)

    4.11.2020, Günter Grass: „Wir spülen und spülen, die Scheiße kommt dennoch hoch“ (2002- 2012)

    4.12.2020, Thilo Sarrazin oder Das Ende der Geschichtsdebatten (2010)